Tunesier startete in Deutschland als Frauentrainer

Handball: Nach bewegter sportlicher Vergangenheit landet Kamel Fekih beim Rheinlandligisten SV Urmitz – Ziel ist der Klassenverbleib

Von unserem Mitarbeiter Lutz Klattenberg

Urmitz. Der neue Trainer des Handball-Rheinlandligisten SV Urmitz, Kamel Fekih, kann im Alter von 29 Jahren bereits auf eine bewegte Vergangenheit im Handballsport zurückblicken. Nach einer schweren Verletzung hatte der gebürtige Tunesier dem Handball bereits frustriert abgeschworen. Erst ein Zufall führte ihn, in Deutschland, zurück auf das Feld und an die Seitenlinie.

Vom EF Zahara zum SV Urmitz, das klingt erst einmal ungewöhnlich. Kamel Fekih zeigt, wie dieses Stationen zusammen passen. Bereits als 17-Jähriger wechselte Fekih bei seinem Heimatverein EF in den Männerbereich und spielte in der zweiten tunesischen Liga. Nebenbei sammelte er erste Erfahrungen als Trainer im Jugendbereich. Der erfolgreichste Klub des Landes, Esperance Sportif de Tunis, wurde auf Fekih aufmerksam und verpflichtete das Rückraum-Talent. An der Seite heutiger Weltklasse- Spieler wie Wissem Hmam, Heykel Megannem und Issam Tej (allesamt derzeitig in Frankreich aktiv) lernte Fekih viel, die Spielanteile hielten sich jedoch, ob der überragenden Konkurrenz, in Grenzen.

Ein doppelter Bandscheibenvorfall warf ihn dann weit zurück und machte das Spielen auf dem Niveau unmöglich. „Frustriert habe ich pausiert und wollte zunächst nichts mehr vom Handball wissen“, erzählt Fekih. Im Jahr 2002 entschied er sich für ein Studium an der Sporthochschule Köln. Im Studentenwohnheim sah er einen Kommilitonen, der offensichtlich auf dem Weg zum Handball war. Plötzlich wieder vom Handball-Fieber gepackt, sprach er den Spieler an – und Fekih trainerte fortan beim Regionalligisten in Korschenbroich mit.

Die dreijährige Pause hatte jedoch ihre Spuren hinterlassen. Nach sechs Monaten regelmäßigem Training und anhaltender Schmerzen, erkannte Fekih, dass es für die damals dritthöchste Spielklasse nicht mehr reichte. Beim Verbandsligisten SV Rösrath kehrte er nochmals aufs Feld zurück, nach einem halben Jahr beendete Fekih die aktive Karriere aber endgültig. Kurz darauf erhielt der Tunesier einen Anruf. Sein Heimatverein bot ihm an, die Trainerposition, gemeinsam mit einem ehemaligen Mitspieler, zu übernehmen. Fekih willigte ein und leitete den inzwischen abgestiegenen EF Zahara für vier Monate durch die Play-off-Spiele zurück in die zweite tunesische Liga.

„Danach bin ich an die Sporthochschule zurückgekehrt, um mein Studium zu beenden. Und dann habe ich meine erste Trainerstation in Deutschland in Angriff genommen.” Die Frauenmannschaft des SSV Weilerswist führte Fekih aus den Niederungen der Kreisliga, ehe er einem Angebot des TK Nippes folgte und danach beim Oberligisten TV 82 Opladen als Jugendkoordinator unterschrieb. Durch seine Kontakte an der Sporthochschule wirkte Fekih zwischenzeitlich an der erfolgreichen Handball-WM 2007 in Deutschland mit. Als Betreuer half er den afrikanischen Teams aus Tunesien und Marokko. Für den tunesischen Verband arbeitete Fekih auch nach der WM. Seit einiger Zeit pflegt man dort einen guten Kontakt nach Baden-Württemberg. Jährlich reist die tunesische U19 zu einem Turnier in den Raum Stuttgart. Fekih half bei Organisation und Entwicklung dieser Kooperation.

Nach abgeschlossenem Studium zog der Handball-Lehrer nach Remagen, wo er nun in der Altenpflege arbeitet. Auch ein Trainerjob ließ dort nicht lange auf sich warten. Zur letzten Saison übernahm er das Ruder beim TVfL Sinzig/Remagen. Doch die Vorstellungen zwischen Verein und Trainer waren zu unterschiedlich: Fekih wechselte zur Reserve der HSV Rhein-Nette. Nachdem er um die Vakanz auf der Trainerposition des SV Urmitz wusste, kontaktierte Fekih den Vorstand des SVU. Dann ging es ganz schnell, der Tunesier übernahm den Rheinlandligisten.

„Unser primäres Ziel ist der Klassenerhalt. Ich möchte die Urmitzer Fans bitten, uns dabei zu unterstützen. Ich verspreche, dass wir in der Rückrunde ein ganz anderes Bild abgeben werden. Wir haben uns intensiv vorbereitet. Sollten wir unser Ziel erreichen, kann ich mir gut ein längerfristiges Engagement in Urmitz vorstellen“, sagt Fekih.

Kamel Fekih, der neue Trainer des Handball-Rheinlandligisten SV Urmitz, ist zwar erst 29 Jahre alt, der Tunesier hat aber schon eine bewegte Handball-Vergangenheit.Foto: Wolfgang Heil

RZ Koblenz und Region vom Samstag, 21. Januar 2012